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Bauen in der Kreislaufwirtschaft

Um Abfälle zu reduzieren und Ressourcen zu schonen, haben die Weiternutzung und Weiterentwicklung des Gebäudebestands hohe Priorität. Ist dies nicht möglich und ein Rückbau notwendig, werden Wiederverwendung von Bauteilen und Recycling von Materialien wichtig. Eine Übersicht mit Fokus auf die Maler- und die Gipserbranche.
20.11.2025 Wissen
  • Das Recycling von Gipsabfällen hat ein grosses Potenzial, wenn gewisse ­Voraus­setzungen erfüllt sind.  Bild: iStock

    Das Recycling von Gipsabfällen hat ein grosses Potenzial, wenn gewisse ­Voraus­setzungen erfüllt sind. Bild: iStock

Die fortschreitende Verknappung natürlicher Ressourcen und die daraus resultierende Notwendigkeit, lineare Konsum- und Produktionsmuster zu überwinden, rückt die Kreislaufwirtschaft zunehmend in den Fokus der Bauwirtschaft.

Die Materialflüsse im Bausektor der Schweiz sind immens1: Die Schweiz produziert pro Jahr 80 bis 90 Millionen Tonnen Abfall. Davon gehen 84 Prozent allein auf die Bautätigkeit zurück. 57 Millionen Tonnen sind Aushub- und Ausbruchmaterial. Rund 17 Millionen Tonnen fallen bei Rückbauten an. Gleichzeitig werden in der Schweiz jährlich 62 Millionen Tonnen Baumaterial verbaut. Der Ressourcenverbrauch und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen sind entsprechend hoch. 

Die Ziele

Um Abfälle zu reduzieren und Ressourcen zu schonen, hat die Weiternutzung und Weiterentwicklung des Gebäudebestands hohe Priorität. Wenn dies nicht möglich und ein Rückbau notwendig ist, werden Wiederverwendung von Bauteilen und Recycling von Baumaterialien wichtig, um deren Nutzen und Wert möglichst lange zu erhalten. Für eine ganzheitliche Umsetzung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen müssen sowohl der technische Kreislauf – mit Fokus auf die Wiederverwendung und das Recycling – als auch der biologische Kreislauf, der den natürlichen Abbau und die Rückführung von organischen Materialien in die Umwelt umfasst, systemisch betrachtet werden.

Dabei ist es entscheidend, neben den direkten Treibhausgasemissionen während der Nutzungsphase auch die indirekten aus der Herstellung und Verarbeitung von Materialien in die Gesamtbilanz einzubeziehen. Nur durch diese erweiterte Perspektive lassen sich belastbare Strategien zur signifikanten Reduktion der Klimawirkung des Bauens entwickeln. Ziel ist es also, Gebäude lange zu erhalten, Materialkreisläufe zu schliessen – und dies bei einem möglichst geringen CO2-Fussabdruck.

Kreisläufe schliessen

Angesichts der erheblichen ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des Bausektors gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Bauteile und Materialien so konzipiert, genutzt und rückgebaut werden können, dass sie langfristig Teil geschlossener Stoffkreisläufe bleiben. Dies setzt ein tiefgreifendes Umdenken entlang der gesamten Wertschöpfungskette voraus – von der Materialproduktion über die Planung und Ausführung bis hin zu Betrieb, Instandhaltung und Rückbau. Die Kreislaufwirtschaft stützt sich auf folgende Grundsätze:

  • Bedürfnisse hinterfragen, ­Gebäude erhalten und länger ­nutzen (Reduce)
    Bauen hat immer Auswirkungen auf die Umwelt. Ein Ansatz zur Ressourcen­schonung ist das Prinzip der Suffizienz, also das Nicht-­Bauen oder Weniger-Bauen. Mit einer Sanierung und Erweiterung kann die Lebensdauer von Gebäuden und Infrastrukturen verlängert und den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden. Im Vergleich zum Neubau schont dies Ressourcen und reduziert den Abfall.
  • Wiederverwenden von Bauteilen (ReUse)
    Kreislaufwirtschaft sollte auch darauf abzielen, Gebäudeteile und Materialien aus dem Rückbau möglichst wiederzuverwenden. Dies bedeutet, dass beim Rückbau, begleitend zur Schadstoffanalyse, diejenigen Bauteile bezeichnet werden, die sich für die Wiederverwendung eignen. Bei einer Erweiterung oder einem Neubau werden wo möglich ReUse-Bauteile oder ökologische Materialien gemäss Vorgaben von Ecobau verwendet.
  • Ressourcenschonung durch ­Recycling (Recycle)
    Durch Recycling können Primärrohstoffe wie Kies, Sand und Naturstein geschont werden und die Entsorgung benötigt weniger Deponieraum. Bei der Materialisierung von Sanierungen oder Neubauten sollen kreislauffähige oder wiederverwendete Materialien verwendet werden, die möglichst wenig Treibhausgasemissionen in der Herstellung verur­sachen.
  • Energetische und stoffliche ­Verwertung (Recover)
    Was bei einem unvermeidbaren Rückbau nach Wiederverwendung und Recycling an Baurestmassen übrig bleibt, soll energetisch oder stofflich verwertet werden. Nur was gar nicht anders verwertet werden kann, soll am Ende in die Deponie kommen.
Eine Sanierung schont im Vergleich zum Neubau die Ressourcen und vermindert den Abfall. Bild: iStock Eine Sanierung schont im Vergleich zum Neubau die Ressourcen und vermindert den Abfall. Bild: iStock

Text: Barbara Sintzel
Bilder: zVg

Autorin Prof. Barbara Sintzel ist Dozentin und leitet das Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sowie im Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) die Spurgruppe Kreislaufwirtschaft. Weitere Informationen siehe Seite 15.

Quelle:
1. Rohstoffe, Abfall und Kreislaufwirtschaft:
Das Wichtigste in Kürze, Bafu.
www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/abfall/inkuerze.html

 

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