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Garagenböden neu beschichten und sanieren

Böden von Garagen sind starken sowie speziellen mechanischen und chemischen Belastungen ausgesetzt. Deshalb braucht es sowohl bei Neubeschichtungen als auch bei Renovationen eine besonders sorgfältige Beurteilung und Vorbereitung des Untergrunds.
07.04.2026 Wissen Applica +
  • Ein korrekt vorbereiteter und beschichteter Boden garantiert Langlebigkeit und Belastbarkeit. Bild: Dold AG

    Ein korrekt vorbereiteter und beschichteter Boden garantiert Langlebigkeit und Belastbarkeit. Bild: Dold AG

Die Problematik

Garagenböden stehen zweifellos unter stärkeren Belastungen als normale Fussböden im Innenbereich. Dazu kommen physikalische und chemische Einflüsse, welche auf die Beschichtung einwirken. Diese werden im Folgenden kurz aufgezeigt.

Mechanische Belastung

Ein Fahrzeug übt je nach Gewicht und Reifengrösse einen gewissen Druck auf den Untergrund aus. Bei jeder Beschichtung eines Garagenbodens sollte daher abgeklärt werden, mit welchen Fahrzeugen der Untergrund befahren wird. Ein kleiner Personenwagen bringt weniger Druck zu Boden als ein Stapler. Die Druckfestigkeit der Beschichtung ist dabei entscheidend.

Als Druckfestigkeit bezeichnet man die Widerstandsfähigkeit eines Werkstoffes bei der Einwirkung von Druckkräften. Übt ein Fahrzeug oder Objekt mehr Druckkräfte aus, als die Druckfestigkeit der Beschichtung auszuhalten vermag, so wird eine kontinuierliche Destruktion der Beschichtung stattfinden.

Dabei kann man zwischen statischem und dynamischem Druck unterscheiden. Fährt ein Fahrzeug über den Belag, entsteht ein dynamischer Druck, der grösser ist als ein statischer Druck.

Ein zusätzliches Problem kann bei warmen Reifen, die wenig Luft enthalten, auftauchen. Bei geringem Reifendruck entsteht eine grössere Auflagefläche, die sich an den Untergrund anschmiegt. Kühlt der Reifen dann ab, verdrängt er die Luft, was zu einem Vakuum zwischen Beschichtung und Reifen führen kann. Wiederholt sich dieser Vorgang täglich, kann bei ungenügender Haftung zwischen Beschichtung und Untergrund die Beschichtung abgezogen werden.

Chemisch hergestellte Stoffe

Rohe Garagenböden können Verunreinigungen enthalten, die zum Beispiel durch Abrieb der Reifen, Motorenöl, Hydraulikflüssigkeit oder Frostschutzmittel entstehen. Untergründe, die solche Verschmutzungen aufweisen, müssen besonders einwandfrei vorbereitet werden.

Durch einen mechanischen Abtrag lassen sich tief eingedrungene Verunreinigungen meist gut entfernen. Ölige Verschmutzungen lassen sich mit handelsüblichen Ölentfernern beseitigen. Gerade im Bereich der Fahrspur muss man besonders darauf achten, dass der Reifenabrieb umfassend entfernt wird.

Der Einfluss von chemisch hergestellten Mitteln besteht auch nach der Beschichtung. Daher ist es wichtig, dass man chemisch hochbeständige Beschichtungsstoffe verwendet.

Auftausalze

Im Winter ausgebrachtes Tausalz wird durch die Fahrzeuge von der Strasse in die Garage mitgetragen und lagert sich oft durch Schmelz- und Regenwasser in verdünnter Form am Boden ab. Salz ist nicht nur dann gefährlich, wenn es mit Metallen in Berührung kommt. Das ­Natriumchlorid besitzt auch die Eigenschaft, Beton anzugreifen.

Weist der Untergrund Risse auf, wird die Salzkorrosion problematischer. Verdünntes Salz kann in den Untergrund gelangen und die Armierung angreifen, weil Salzwasser die Korrosion beschleunigt. Somit muss eine Beschichtung komplett wasserdicht sein und darf keine Risse aufweisen.

Weichmacherwanderung

Weichmacher sind Stoffe, welche die Dehnbarkeit, die Flexibilität oder die Geschmeidigkeit eines Materials verbessern. Sie sind in allen aus Gummi und Kautschuk bestehenden Fahrzeugreifen enthalten in Form von Ölen und Harzen.

Haben zwei Stoffe mit unterschiedlichem Weichmachergehalt über längere Zeit Kontakt, kommt es zwischen ihnen zu einem Konzentrationsausgleich. Nach längerer Zeit beginnt eine Schicht zu kleben. Je mehr Weichmacher in die Beschichtung wandern, umso mehr verringert sich deren Festigkeit und sie fängt an, sich vom Untergrund zu lösen. Deshalb ist es wichtig, dass die Chemikalienbeständigkeit der Beschichtung sehr hoch ist.

Bei unbeschichteten Garagenböden ist äusserste Vorsicht geboten. Die Weichmacher können in den Untergrund migrieren und so die Festigkeit des Untergrundes schwächen, sodass dieser für eine nachfolgende Beschichtung nicht mehr tragfähig ist. In diesen Fällen muss die befahrene Spur herausgestemmt werden und anschliessend mit geeignetem Füllmaterial (Schnellzement oder Schnellbeton) aufgefüllt beziehungsweise reprofiliert werden.

Solch eine Weichmacherverseuchung im Untergrund zu erkennen, ist beinahe unmöglich. Eine Abklärung, wie alt der Untergrund und die Reifen sind, ist sicherlich von Vorteil. In jedem Fall muss eine beispielhafte Untergrundvorbereitung stattfinden.

Wasserbelastung, fehlendes Gefälle

Wenn es schneit oder regnet, transportiert das Fahrzeug Wasser in die Garage. Liegendes Wasser ist für jede Art von Bodenbeschichtung ein hoher Zerstörungsfaktor. Fallen zusätzlich die Temperaturen in der Garage unter 0° C und das auf dem Boden liegende Wasser gefriert, wirken enorme Kräfte auf die Beschichtung. Wasser sollte demnach zwingend abfliessen können, wenn möglich durch ein Gefälle, das auf eine Rinne zuläuft, die an eine Kanalisation angeschlossen ist (siehe Bild unten). Je nach Vorschrift braucht es einen Abscheider.

In den meisten Garagen von Ein- und Mehrfamilienhäusern fehlen diese Massnahmen für eine Entwässerung. In diesen Fällen sollte liegengebliebenes Wasser kontinuierlich aufgenommen beziehungsweise weggewischt werden.

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