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Weinschwärmer und Ameisen im Kinderspital

Jugendliche gestalten mit Schabloniertechnik die Gänge des neuen Spitals für Kinder in Luzern. Aus dieser Idee wurde ein konkretes Projekt, das der SMGV Maler Zentralschweiz finanziell unterstützte. Drei Lernende der Maler Schlotterbeck AG führten die Arbeiten mehr oder weniger selbstständig aus.
01.10.2026 Trend
  • Die Ameisen haben ihren Haufen erreicht. Bild: Hanns-Peter Schaffner

    Die Ameisen haben ihren Haufen erreicht. Bild: Hanns-Peter Schaffner

Jeanne Fischer entfernt gerade die Folie vom Hinterleib einer Ameise. Das Tier ist mit Schabloniertechnik auf eine Wand der Notfallstation des neuen Kinderspitals Luzern aufgebracht worden. Die 21-Jährige absolviert eine Zusatzlehre bei der Maler Schlotterbeck AG in Adligenswil LU. Die Arbeit im Kinderspital führt sie quasi zurück zu ihren beruflichen Wurzeln, denn sie hat eine Grundbildung als Fachfrau Gesundheit absolviert. Dieser Beruf habe ihr zwar gefallen, sagt Jeanne, aber wegen der bekannten, nicht optimalen Umstände im Gesundheitswesen habe sie sich entschieden, Malerin zu werden. Im Handwerk könne sie etwas schaffen, «Räume verschönern und damit den Leuten eine Freude machen».

Sehr filigrane Motive

Freude an den schablonierten, sehr filigranen Motiven, die Fischer mit den im August in die Grundbildung eingestiegenen Malya Käppeli und Selina Manz auf vier Stockwerken im neuen Gebäude aufbringt, werden die kleinen Patienten des Kinderspitals haben. Die rund 10 Quadratmeter messende Wand des Notfalls, an der Jeanne die Folien entfernt, zieren Tiere und Pflanzen. Die witzigen Details sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen. So hat die herumflatternde Fledermaus einen Verband am Bein und eine der Ameisen trägt einen Arztkittel.

Fledermaus und Falter

Insgesamt 38 Motive werden die vier Haupt- und einige der Nebengänge des Neubaus zieren. Entworfen haben diese drei Künstlerinnen in Zusammenarbeit mit dem Fumetto Comic-Festival Luzern. Hauptfiguren sind kleine Wesen, die in der Region vorkommen: das Braune Langohr (die erwähnte Fledermaus), der Weinschwärmer (ein Schmetterling) und eine Gruppe Waldameisen.

Die drei machen eine Reise durch die Schweizer Natur und deren Pflanzenwelt - von der Stadt Luzern im ersten, über einen Wald im zweiten und Bergwiesen sowie Felsen im dritten bis auf die Gipfel der Alpen im vierten Stockwerk. Dabei kommen sie an zahlreichen Pflanzenarten vorbei und treffen andere Tiere.

Die Schablonierung erfolgt in vier Arbeitsschritten:

  • Zuerst kleben Mitarbeitende der Firma Castelli Werbetechnik die von ihnen produzierten Folien mit den Motiven auf die strukturierte, in Weiss und hellen Farben gestrichenen Glasgewebe-Tapete an den Wänden auf.
  • Dann unterlegen die angehenden Malerinnen die von der Folie unbedeckten Motivteile mit Dispersion Living Art von Dold im Farbton des Untergrunds. So wird verhindert, dass später die Deckfarbe unter die Folie läuft. Wegen der unebenen Tapetenoberfläche sind dafür zwei Anstriche nötig.
  • Es folgt die Applikation der ­Deckfarbe Dold Latex Art matt in Anthrazit.
  • Den Schluss macht das Abziehen der Folien, teilweise winzige Teile, mit Messer, Spachtel und von Hand.
  • Selina Manz unterlegt die freien Stellen.

    Selina Manz unterlegt die freien Stellen.

  • Malya Käppeli rollt die Deckfarbe auf.

    Malya Käppeli rollt die Deckfarbe auf.

  • Eine «Fiserliarbeit»: Jeanne Fischer zieht im Notfallzimmer die Folien ab.

    Eine «Fiserliarbeit»: Jeanne Fischer zieht im Notfallzimmer die Folien ab.

Nicht zu lange warten

Die drei Lernenden führen die drei Schritte unter der Oberaufsicht von Samuel Erni, einem angehenden Malermeister, selbstständig aus. Pro Stockwerk brauchen sie drei bis vier Tage. Sie arbeiten Hand in Hand, wobei sie sich bei den Tätigkeiten abwechseln.

Wichtig ist es, vor dem letzten Schritt nicht allzu lange zu warten. Wenn die Folie sich zu stark mit dem Untergrund verklebt, kann sie beim Abziehen Farbe mitreissen. Die gleiche Gefahr besteht, wenn die Farbe vollständig getrocknet und damit ­unelastisch ist. Am aufwendigsten ist das Entfernen der Folie, eine «Fiserli­arbeit», wie Jeanne sagt. Weil es sein kann, dass trotz des Unterlegens und des zügigen Vorwärtsarbeitens Deckfarbe unter die Folie läuft, sind manchmal nachträgliche Retouchierarbeiten mit den feinen Pinseln nötig. Sehr wichtig ist natürlich, dass die angehenden Malerinnen jedes der zum Teil winzigkleinen Folienstücke erwischen, weil sonst die Motive nicht stimmen.

Jeanne, Malya und Selina finden es «megacool», dass sie als Lernende das Projekt mehr oder weniger selbstständig ausführen dürfen. Schwierig sei die Schabloniertechnik nicht, sagt Jeanne, und sie habe diese schon ab und zu ausgeführt. «Man kann draufschlirggen und hat trotzdem ein schönes Ergebnis», fügt sie mit einem Schmunzeln an.

Jugendliche malen für Kinder

Das Lernenden-Projekt ist im Rahmen der Stiftung Zukunft Kinderspital ­Zentralschweiz entstanden. Diese finanziert Geräte und Einrichtungen, für die der Bund und der Kanton nicht aufkommen.

Hanns-Peter Schaffner ist nicht nur der Inhaber und Geschäftsführer der Maler Schlotterbeck AG, sondern auch Mitglied der Stiftung. Zusammen mit der Präsidentin hatte er die Idee, «ein schönes Zeichen zu setzen, indem wir mit Jugendlichen gemeinsam am neuen Kinderspital arbeiten». Er fragte den SMGV Maler Zentralschweiz an, ob dieser gewillt sei, das Projekt im Sinne einer Marketing­aktion für das Malergewerbe zu finanzieren. Dessen Vorstand stimmte zu und so werden das Braune ­Langohr, der Weinschwärmer, die Ameisen und deren tierische Kameraden den Patientinnen und Patienten des Kinderspitals sowie deren ­An­gehörigen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Die drei Lernenden mit ihrem Chef Hanns-Peter Schaffner. Die drei Lernenden mit ihrem Chef Hanns-Peter Schaffner.

Text: Raphael Briner
Bilder: Bruno Gisi

Fotograf Bruno Gisi arbeitet freischaffend in Luzern

 
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