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Kreislaufwirtschaftsansätze für die Maler- und Gipserbranche

24.11.2025 Wissen
  • Die Profilelemente Juunoo  können bis zu 20-mal  wiederverwendet werden.  Bild: Rigips

    Die Profilelemente Juunoo können bis zu 20-mal wiederverwendet werden. Bild: Rigips

Gipserbranche

1. Rohstoffsituation und Herstellung 
In der Schweiz stammt rund ein Viertel des eingesetzten Gipses aus natürlichen Lagerstätten (Naturgips) und etwa drei Viertel stammen aus REA-Gips, einem Nebenprodukt der Rauchgasentschwefelung in Kohlekraftwerken.1 Bei der Gipsproduktion wird Natur- oder REA-Gips erhitzt, um das Kristallwasser zu entziehen. Die Herstellung von 1 Kilogramm Gips verursacht rund 0,317 Kilogramm CO₂-Äquivalente.

Der jährliche Gesamtbedarf liegt in der Schweiz bei rund 750 000 Tonnen, wovon 370 000 Tonnen für den Trockenbau (Gipsplatten), 200 000 Tonnen für Nassbau (Putze, Mörtel) und 180 000 Tonnen in der Zementindustrie ver­wendet werden. Die Versorgung aus inländischen Steinbrüchen ist stabil, reicht jedoch nur für etwa 25 Prozent des Verbrauchs. Die rest­liche Menge wird überwiegend aus Deutschland importiert. Der schrittweise Ausstieg aus der dortigen Kohleverstromung wird den REA-Gips als wichtigste Importquelle künftig wegfallen ­lassen.

2. Recycling
Effizientes Gipsrecycling ist bisher nur bei sortenrein trennbaren Trockenbauplatten möglich. Die bestehenden Anlagen, wie das RiCycling-Werk in Granges VS, verarbeiten jährlich rund 7000 Tonnen Gips. Potenzial besteht bei weiteren 70 000 Tonnen aus der Bausperr­gut­sortierung.

3. Deponierung
Nach der schweizerischen Abfallverordnung (VVEA) müssen Gipsabfälle getrennt gesammelt werden. Die Wiederverwertung ist jedoch häufig schwierig, da Gips oft gebunden im Zement oder fest mit anderen Baustoffen verbunden ist.

Derzeit gelangen jedes Jahr ungefähr 150 000 Tonnen Gips in Deponien. Dort kann er chemisch zersetzt werden, was zur Freisetzung von Sulfat-Ionen und unter Umständen auch Schwefelwasserstoff führt. 

Die Potenziale

Langlebigkeit
Langlebigkeit bedeutet, dass Gipsbauteile so geplant und gebaut werden, dass sie am Ende der Lebensdauer einfach und sortenrein getrennt, rückgebaut oder in einem weiteren Nutzungszyklus weiterverwendet werden können. Produkte wie Gipskartonplatten oder Putzsysteme müssen so konzipiert sein, dass sie länger halten und sich leichter reparieren oder renovieren lassen. Ein wiederverwendbares Gips-­Trockenbausystem ist beispielsweise mit ­Juunoo von Rigips bereits auf dem Markt. Die Wände können schnell und einfach demontiert und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

Rückbau und Recycling 
Für die Kreislaufwirtschaft ist ein sortenreiner Rückbau entscheidend. Wissen zu Rückbautechniken und Baustellenlogistik wurden unter anderem im Projekt Gypsum to Gypsum 2013 bis 20152 entwickelt. Die rund 70 000 Tonnen pro Jahr aus der Bausperrgutsortierung sollten ins Recycling gelangen. Zudem sollten die rund 70 000 Tonnen pro Jahr aus der Bausperrgut­sortierung in Zukunft zur Sicherung der ­Materialressourcen vollumfänglich ins Recycling gelangen. 

Malerbranche

1. Rohstoffe und Herstellung
In der Schweiz werden jährlich etwa 75 000 bis 80 000 Tonnen Baufarben, Lacke, Holzschutzmittel und Lasuren verbraucht.3 Die inländische Produktion deckt nur einen Teil dieses Bedarfs. Viele Farben und Lacke werden aus den restlichen Ländern Europas importiert.

Die Rohstoffbasis von Farben und Lacken und deren Herstellungsprozesse sind vielfältig. Besonders häufig wird Titandioxid als Pigment eingesetzt. Es hat den höchsten Brechungsindex aller Weisspigmente und sorgt deshalb für starke Lichtstreuung und herausragende Deckkraft. Je nach Produkttyp variiert der CO₂-Fussabdruck und liegt gemäss KBOB-Empfehlung Ökobilanzen im Baubereich4 bei wasser­verdünnbaren Systemen bei 2,3 Kilogramm CO₂-Äquivalente bei 1 Kilogramm Farbe, bei lösemittelverdünnbaren Systemen bei 3,3 Kilogramm CO₂-Äquivalente pro Kilogramm. Die Abkürzung KBOB steht für Koordinations­konferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren.

2. Entsorgung und Recycling
Jährlich ergeben sich in der Schweiz zirka 8500 Tonnen Farb- und Lackreste.5 Bei der Verarbeitung von Farben und Lacken sowie bei der Geräte­reinigung fallen Sonderabfälle an, wie beispielsweise Farb- und Lackabfälle, Lösungsmittel, ­Filtermatten aus Farbspritzanlagen und Abwasser aus Reinigungsarbeiten. Dabei handelt es sich um Sonderabfälle und diese sind nach den Bestimmungen der Verordnung über den Verkehr mit Abfällen (VeVA) über die kantonalen Sonderabfallsammelstellen zu entsorgen. Die Wiederverwertung von Anstrichstoffen ist deutlich komplizierter als bei mineralischen Baustoffen: Sortenreines Recycling existiert praktisch nicht. 

Regelmässiger Unterhalt würde die Lebensdauer von Bauteilen verlängern. Bild: Archiv SMGV Regelmässiger Unterhalt würde die Lebensdauer von Bauteilen verlängern. Bild: Archiv SMGV

Die Potenziale

Langlebigkeit sicherstellen 
Für langlebige und gut reparierbare Malerarbeiten ist die gründliche Untergrundvorbereitung entscheidend: sauber, trocken und passend grundieren. Hochwertige, wetterbeständige ­Farben einsetzen und mindestens zwei Deckschichten mit ausreichender Trocknungszeit auftragen. Bereits bei der Planung an Reparaturen denken: Farbton und Produkttyp dokumentieren, Restfarbe aufbewahren und optische Trennlinien nutzen, um Ausbesserungen unauffällig zu halten. Regelmässige Kontrolle und frühe Kleinreparaturen verhindern grössere Schäden und verlängern die Lebensdauer deutlich.

Reduktion relevanter Bestandteile
Mit der Umwelt-Etikette der Schweizer Stiftung Farbe mit Bewertungen von A bis G lassen sich Beschichtungsstoffe in einem transparenten und übersichtlichen Schema nach Kriterien von Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie nach der Gebrauchstauglichkeit einstufen. Dabei geht es unter anderem um umwelt- und gesundheits­relevante Bestandteile wie VOC (flüchtige organische Verbindungen) in lösemittelhaltigen Produkten, welche die Luftqualität beeinträchtigen. Ein weiteres Beispiel sind Biozide in Fassadenfarben, die ausgewaschen und ins Grundwasser gelangen können.

Nachwachsende Rohstoffe
Produkte aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen wie Lehmfarben, Kalkputze oder Farben auf Pflanzen­basis gewinnen an Bedeutung, da sie einen geringeren ökologischen Fuss­abdruck haben.

Förderung von Recycling
Flüssige Restfarben (insbesondere Dispersionsfarben auf Wasserbasis) können nach Sortierung und Filtration teilweise zu neuen Anstrichmitteln aufbereitet werden. Lösungsmittelhaltige Lacke werden in Spezialanlagen destilliert, das Lösungsmittel zurückgewonnen und als Sekundärrohstoff wieder eingesetzt. Die Rückgewinnung von Farbpigmenten aus Bauschutt ist noch nicht etabliert und Gegenstand der Forschung.

 

Text: Barbara Sintzel

Quelle: 

  1. Bericht über den Rohstoff Gips in der Schweiz, Neros Netzwerk Mineralische Rohstoffe Schweiz im Auftrag der Landesgeologie – Bundesamt für Landestopografie swisstopo (20.06.2025)
  2. Vom Gips zum Gips – von der Produktion zum Recycling, EU LIFE +Project, (2013–2016) eurogypsum.org/circularity-2923/
  3. Farbe, Tapeten & Zubehör – Schweiz | Statista ­Marktprognose
  4. Ökobilanzdaten im Baubereich (Version 7.0, 25.06.2025) www.ecobau.ch/de/instrumente/oekobilanzen
  5. Sonderabfallstatistik 2023, www.bafu.admin.ch.sonderabfallstatistik-2023-zusammenfassung.pdf

 

 

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