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Vom Hilfsgipser zum Baustellenchef

Muhamed Kazimoski steht kurz vor dem Qualifikationsverfahren zum EFZ als Gipser-Trockenbauer und damit vor dem Abschluss eines ­beruflichen Weges, den er über Jahre ohne Fähigkeitszeugnis gegangen ist. Die Nachholbildung nach Artikel 32 des Berufsbildungsgesetzes macht genau das möglich: Sie anerkennt langjährige Berufserfahrung und führt Berufsleute ohne klassische Ausbildung zum eidgenössischen Abschluss.
03.06.2026 Grundbildung
  • «­Tätschmeister» Kazimoski auf der ­Baustelle in Zürich-­Altstetten.

    «­Tätschmeister» Kazimoski auf der ­Baustelle in Zürich-­Altstetten.

Meti, wie Muhamed Kazimoski von seinen Kollegen genannt wird, ist aufgestellt. Auf der Baustelle der Wohnstätten Zwyssig in Zürich-Altstetten koordiniert er die Gipserarbeiten, teilt die Leute ein und ist Ansprechperson für die Bauleitung. Der 47-Jährige wirkt routiniert und sicher, kaum zu glauben, dass er demnächst erst seine Lehre als Gipser mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis abschliesst.

Und das kam so: Sein Weg in die Schweiz begann 2001 wegen des Krieges in Nordmazedonien, seiner Heimat. Nach der Matura hatte er ein Studium der internationalen Wirtschaft begonnen, doch die Situation im Land veränderte alles. Seine damalige Freundin floh in die Schweiz. Für ihn war klar, dass er ihr folgen wollte. Da er ohne Militärdienst keinen Pass erhielt, rückte er mit dem Ziel, danach zu heiraten, ein. Die Hochzeit fand in schwierigen Zeiten statt, im kleinen Kreis und ohne Feier.

Zurück zum Start

In der Schweiz begann Kazimoski praktisch bei null. Er arbeitete, wo es gerade möglich war: als Lagerist, als Pizzakurier und immer wieder auf dem Bau als Hilfsgipser. Baustellen waren ihm vertraut, schon als Kind hatte er im Familienbetrieb mitgeholfen. Dabei merkte er schnell, dass ihm die Arbeit liegt. «Am Abend siehst du, was du gemacht hast. Das gibt mir ein gutes Gefühl.»

Nachholbildung trotz Vollzeitjob

Trotz Berufserfahrung fehlte ihm ein anerkannter Abschluss, der ihn weiterbrachte. «In der Schweiz ist ein Diplom sehr wichtig», sagt er. «Ohne das bleiben viele Türen zu.» Deshalb entschied er sich für die Nachholbildung nach Artikel 32, parallel zum 100-Prozent-Job und seiner unterdessen vierköpfigen Familie.

Unterstützt wird er dabei von seinem Arbeitgeber, der Schaub Maler AG mit Hauptsitz in Zürich. Der Betrieb steht hinter ihm und ermöglicht ihm die Ausbildung. Für ihn ist das nicht selbstverständlich: «Ohne diese Unterstützung wäre es sehr schwierig gewesen.»

Die Ausbildung veränderte seinen Arbeitsalltag. Früher hat er vieles nach bestem Gewissen gemacht, heute versteht er die Zusammenhänge. «In der Schule lernst du genau, wie Materialien funktionieren und wie man sie richtig einsetzt.» Dieses Wissen gibt ihm Sicherheit, gerade auch, weil Fehler auf dem Bau teuer werden können. «Wenn etwas nicht stimmt, merkt man das früher oder später.» Auch bei Entscheidungen tritt er nun kompetent auf und besteht darauf, Arbeiten korrekt auszuführen: «Ich will es richtig machen, nicht einfach nur schnell.»

Hauptprobe gelungen

Ein wichtiger Schritt auf seinem Ausbildungsweg war die praktische Probeprüfung im SMGV-Bildungszentrum in Wallisellen. Es war eine intensive Woche, in der er unter realen Bedingungen arbeiten musste: planen, exakt ausführen, unter Zeitdruck bestehen. Am Ende sagte Kazimoski: «Das war streng, aber es hat mir gezeigt, dass ich es kann.»

Meti beim Probe-QV im ­Bildungszentrum des SMGV. Meti beim Probe-QV im ­Bildungszentrum des SMGV.

Auch wirtschaftlich denkt Kazimoski heute anders. Er dokumentiert die Arbeiten genau und stimmt sich mit der Bauleitung ab. «Ich mache Fotos und kontrolliere alles.» So können zusätzliche Leistungen korrekt abgerechnet werden.

Dass er heute so viel Verantwortung trägt, überrascht Miralem Jusufi, ­Projektleiter bei Schaub, nicht. Er beschreibt ihn als zuverlässig und selbstständig. «Meti hat die Baustelle im Griff. Ich muss nicht ständig vor Ort sein», sagt Jusufi. Die Abläufe funktionieren auch ohne permanente Kontrolle. Für ihn ist deshalb klar: Das Qualifikationsverfahren besteht er problemlos. 

Nach dem Bau an den Herd

Nach Feierabend lässt Kazimoski die Hektik der Baustelle hinter sich und taucht in den Familienalltag ein. Seine Frau arbeitet ebenfalls Vollzeit und kommt meist später nach Hause als er, deshalb steht er regelmässig am Herd und kocht das Znacht. Ihr Sohn ist bereits erwachsen, die zwölfjährige Tochter spielt regelmässig Unihockey in einem Verein. Zweimal pro Woche fährt er sie ins Training, steht bei ­Turnieren am Spielfeldrand und hilft bei Anlässen mit.

Zeit fürs Hobby Malen bleibt allemal.  Bild: zVg Zeit fürs Hobby Malen bleibt allemal. Bild: zVg

Trotz seines vollen Tagesprogramms findet er immer wieder Zeit, zu Pinsel und Leinwand zu greifen und Landschaften mit Ölfarben zu malen. Es ist ein Ausgleich zum Lernen, zur Baustelle und zum Familienleben. «Beim Malen gibt es keinen Stress und du kannst auch mal einen Fehler machen», sagt er und lacht.

Das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Gipser-Trockenbauer wird für Muhamed Kazimoski mehr sein als nur ein Papier. Es ist ein Ziel, auf das er lange hingearbeitet hat, und ein Beweis dafür, dass sich der Weg für ihn gelohnt hat. 

Text und Bilder: Cornelia Sigrist

 
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