Das Potenzial von Gipsrecycling
Die Kreislauffähigkeit von Baumaterialien beschäftigt die Baubranche sehr stark. Jörg Kradolfer vom Technischen Dienst Gipser SMGV hat das Thema Gipsrecycling an der Swissbau in eine Podiumsdiskussion von Swiss Engineering eingebracht. Grundsätzlich kann Gips unbeschränkt recycelt werden. Das lohnt sich bis anhin jedoch nur bei sortenreinen Gipsabfällen. Voraussetzung ist daher die sortenreine Trennung. Zudem machen grosse Transportdistanzen von Gipsabfällen zu den Recyclingwerken aus ökologischer und ökonomischer Sicht wenig Sinn.
Naturgips stammt einerseits aus Steinbrüchen (Naturgips). Anderseits ist er als REA-Gips ein Nebenprodukt der Kohle-Stromproduktion, der aktuell je nach Gipsbauplatten-Hersteller 50 bis 70 Prozent in der Produktion ausmacht. Durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung nimmt der Anteil REA-Gips stetig ab. Darum setzt man neben der Erschliessung von neuen Abbaugebieten von Naturgips zunehmend auf Recycling. In Granges VS ist seit 2012 eine Anlage im Betrieb, die zirka 7000 Tonnen Gipsabfälle verwertet. Aktuell landen in der Schweiz die allermeisten Gipsabfälle, rund 150000 Tonnen je nach Jahr, allerdings in Deponien. Diese sind zunehmend überlastet und weisen Gipsabfälle teilweise ab. Festzustellen sind grössere Anstrengungen der Industriepartner betreffend Rücknahme von sortenreinen Gipsabfällen. Auch scheint das Interesse von Entsorgern und der Recyclingbranche an Gipsabfällen zu wachsen.
Fazit: Das Potenzial von Gipsrecycling ist grundsätzlich vorhanden, wenn die Rahmenbedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb vorhanden sind. Es braucht vor allem sichere Abnahmequellen für rezyklierten Gips und einen Ausbau von flächendeckenden Rücknahmesystemen. Wünschenswert ist auch eine Verbesserung im Rückbau von gipshaltigen Bauteilen und eine Weiterentwicklung von Systemen (Aufbearbeitungsanlagen), mit denen auch verunreinigte Gipsplatten recycelt werden könnten.
Text: SMGV
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