Artikelübersicht

Ein Geben und Nehmen

In unserer Sommerserie besuchen wir engagierte Berufsbildner/-innen in Ausbildungsbetrieben, die ihnen ihre erfolgreiche Arbeit mit Lernenden ermöglichen. Heute im Fokus: die Jäggi-Pfluger AG in Fulenbach SO.
22.07.2026 Sommerserie
  • Hans-Rudolf Jäggi erklärt den Aufbau einer Innendämmung.

    Hans-Rudolf Jäggi erklärt den Aufbau einer Innendämmung.

«Man kann nicht ständig über den Fachkräftemangel klagen und selber die Hände in den Schoss legen.» Die Erklärung von Geschäftsführer Hans-Ruedi Jäggi, weshalb er Lernende ausbildet, ist so einfach wie einleuchtend. Noch vor fünf Jahren war die Suche nach Lernenden zäh – eine Situation, die der Stuckateurmeister nicht einfach so hinnehmen wollte.

Jäggi lud Schulklassen ein, einen Tag im Betrieb Jäggi-Pfluger AG zu verbringen und einen spannenden Einblick in den Beruf zu erhalten. «Unsere Mitarbeitenden begleiteten die jungen Menschen den ganzen Tag lang», erzählt Jäggi Die Jugendlichen durften Gips giessen und mit Farben experimentieren und die Ergebnisse nach Hause nehmen.

Die Massnahme zündete, seither steigen die Bewerbungszahlen wieder. Zum Zeitpunkt des Berichts befinden sich je ein Lernender Gipser und Maler in der Ausbildung bei Jäggi-Pfluger, ein weiterer Maler beginnt diesen Sommer.

Platzende Knoten

Hans-Ruedi Jäggi ist mit Herzblut dabei, wenn es um Ausbildung und Weiterbildung geht. Damit führt er die Familientradition in der fünften Generation fort. Als Experte bei den Prüfungen für Vorarbeiter und Gipsermeister weiss er genau, worauf es ankommt.

Er sagt aber klar und deutlich, dass der Aufwand für Ausbildungsbetriebe in jüngerer Vergangenheit gestiegen ist. Das beginne damit, dass neben dem fachlichen Rucksack manchmal auch der ausserberufliche Rucksack noch ein bisschen befüllt werden müsse. Bei einigen Lernenden brauche es einfach den Anstoss, dass Fleiss und Disziplin bereits die halbe Miete seien.

Für Jäggi heisst dies, am Ball zu bleiben, die Geduld nicht zu verlieren und Vertrauen zu schenken. Sein Betrieb hatte schon einige Lernende, bei denen lange Zeit scheinbar nichts voranging. Plötzlich sei dann der Knoten geplatzt, erzählt er, und sie hätten gegen Ende der Lehrzeit einen riesigen Sprung gemacht. «Das zu erleben, ist unglaublich schön – und der Grund dafür, dass ich so gerne Lernende ausbilde.»

Dicht dran

Die tägliche Betreuung der Lernenden obliegt den Berufsbildnern. «Sie sind Coaches, Ansprech- und Vertrauenspersonen in Personalunion», sagt der Stuckateurmeister. Regelmässige Standortbestimmungen gehören dazu, alles wird dokumentiert.

«Eine so engmaschige Betreuung gab es früher, als ich in die Lehre ging, noch nicht», erinnert sich Jäggi. Auch der Umgangston habe sich verändert: weg von der alten Härte, hin zu einem familiären Miteinander. Bei Jäggi-Pfluger trifft man sich morgens im Betrieb und trinkt einen Kaffee, abends lässt man den Tag mit einem lockeren Schwatz ausklingen. Das stärkt den Zusammenhalt.

Der Chef selbst bleibt zwar Chef, aber er ist für die Mitarbeitenden und Lernenden immer ansprechbar. Der Austausch im Magazin auf Augenhöhe ist ihm wichtig. Dass ein solches Umfeld von allen geschätzt wird, zeigt sich daran, dass es nur wenige Wechsel gibt und viele Mitarbeitende dem Betrieb extrem lang treu bleiben. Der Leiter der Malerei, der Ende des Jahres in Pension geht, kann zum Beispiel auf 42 Jahre bei Jäggi-Pfluger zurückblicken!

Angebot und Nachfrage

Enge Begleitung schliesst auch den Blick auf die Berufsfachschule ein. Noten und schulische Themen werden regelmässig besprochen. «So merken wir schnell, wo Handlungsbedarf besteht», sagt Jäggi.

An Freitagnachmittagen können die Lernenden sogar ihr Schulmaterial mitnehmen und im Betrieb Aufgaben erledigen – mit Unterstützung des Teams. «Ich stehe auch fast jeden Samstagmorgen bereit, ihnen bei Bedarf Nachhilfe zu geben», fügt der Stuckateurmeister an. Das Angebot steht, annehmen müssen es die Lernenden jedoch aus eigenem Antrieb. Denn für Hans-Rudolf Jäggi ist klar: Ausbildung funktioniert nur als Teamwork. Sie fordert den Einsatz aller Beteiligten.

Erfolg im QV dank Lernendenkursen

Nicht jeder Betrieb hat die Möglichkeiten, alle Anforderungen gemäss Lehrplan auf der Baustelle oder im Lehrbetrieb abzudecken. Wenn Lücken entstehen, haben Lehrbetriebe die Möglichkeit, ihren Nachwuchs in entsprechende Lernendenkurse zu schicken, die vom Gimafonds unterstützt werden.

Die Kurse können gebucht werden, sobald sie in der Kursübersicht aufgeschaltet sind.

Text: Erik Brühlmann
Bild: zVg

 
mySMGV
Finder

Finden Sie das passende Unternehmen in Ihrer Region